Wenn zwei Religionen sich finden

© Michael Bönte, Dialogverlag

Katholisch-muslimische Ehen

Moslems und Christen – eine Beziehung, die keinen Seltenheitswert mehr hat, eine Liebes-Beziehung, die spannend und bereichernd über die kulturellen Grenzen hinweg sein kann.

Immer mehr Katholiken heiraten Moslems, und oft wollen beide Partner weiter ihren Glauben praktizieren, ihre Religion leben. Vor der Trauung und Ehe gibt es viele Fragen und Herausforderungen, die angeschaut werden müssen und die es sich zu besprechen lohnt.

Welche Chancen und Konsequenzen hat dieser Schritt? Wie kann die kirchliche Trauung gestaltet werden? Wo wird Unterstützung geboten?

Diese und weitere Fragen rund um die kirchliche Trauung werden hier beantwortet.

Kann ich einen Muslim / eine Muslima kirchlich heiraten?
Katholiken glauben, dass die Taufe sie befähigt, das Sakrament der Ehe zu spenden. Auch wenn ein Partner nicht getauft ist, kann das Paar eine gültige Ehe schließen. Diese hat aber keinen sakramentalen Charakter. Da es als schwierig angesehen wird, den katholischen Glauben zu leben, wenn der Ehepartner eine andere Überzeugung hat, wird eine solche Situation als "Ehehindernis" betrachtet – allerdings nicht als unüberwindliches. Der Bischof kann von diesem Ehehindernis dispensieren. Voraussetzung dafür ist, dass der katholische Partner / die katholische Partnerin sich nach Kräften für die Taufe und katholische Erziehung der Kinder einsetzt. Der zuständige Pfarrer kümmert sich um dieses Verfahren. Das braucht zwar nicht viel Zeit, dennoch sollten Sie nicht zu kurzfristig planen.

Muss er / sie im Gottesdienst irgendetwas sagen oder tun, was seinem / ihrem Glauben widerspricht?
Nein. Der Ritus der Trauung bietet deshalb extra sprachliche Varianten für Menschen mit anderer oder auch gar keiner Religionszugehörigkeit.

Wie kann der Gottesdienst gestaltet werden?
Da eine Eucharistiefeier das Trennende mehr unterstreichen würde als das
Einende, ist in dieser Situation ein Wortgottesdienst vorgesehen. Wie generell bei Trauungen, können Sie bei der Auswahl von Lied-, Gebets- und auch Lesungstexten mitreden und entsprechend mit dem zuständigen Priester / Diakon eine sensible Auswahl treffen.

Dabei – das sei auch assistierenden Priestern / Diakonen als Rat mitgegeben – ist auf sonst unproblematische und daher nicht weiter bedachte Formeln und Gesten zu achten: Der Hinweis auf unseren Glauben an die Dreifaltigkeit Gottes muss nicht verleugnet werden; es ist aber ein freundliches Zeichen des Problembewusstseins, wenn die entsprechenden Formeln nicht nach jedem Gebet Verwendung finden. Vor allem beim Segen sollte darauf geachtet werden, dass Muslime nicht bekreuzigt
werden. Die Ausbreitung der Hände oder die Orantenhaltung genügen beim Segensgebet sowohl über die Brautleute als auch (vor allem) über die Gemeinde.

Sich selbst zu bekreuzigen, ist dabei durchaus in Ordnung und eine sinnvolle Form des eigenen Bekenntnisses.

Mein Partner / meine Partnerin möchte (etwa mit Rücksicht auf die Familie) nicht in einer Kirche heiraten. Geht das auch an einem anderen Ort?
Unser kirchliches Gesetzbuch (Codex Juris Canonici: can. 1118 § 3 CIC) sieht die Möglichkeit vor, dass bei einer Ehe mit einem ungetauften Partner / einer ungetauften Partnerin der Gottesdienst auch "an einem anderen passenden Ort" gefeiert werden kann. Mit dem begleitenden Priester oder Diakon können Sie schauen, wie dieser Satz in Ihrem speziellen Fall ausgelegt werden kann.


Mein Partner / meine Partnerin möchte nicht kirchlich heiraten, ich möchte
aber mehr als nur eine standesamtliche Trauung. Lässt sich das überhaupt
lösen?

Auch hier ist es möglich, einen entsprechenden Antrag an den Bischof zu stellen. Ihr Pfarrer wird mit Ihnen in den Dokumenten, die Sie ohnehin gemeinsam ausfüllen müssen, anmerken, dass Sie Ihre standesamtliche Trauung im kirchlichen Sinn verstanden wissen wollen unter Hinweis auf Widerstände seitens Ihres Partners / Ihrer Partnerin beziehungsweise dessen / deren Umfeld. Sollte eine solche Problemstellung bei Ihnen vorliegen, möchten wir (jedoch) eine vorsichtige Empfehlung aussprechen: Versuchen Sie, in Ihrer Beziehung generell die Frage religiöser Toleranz zu klären. Möglicherweise ist dieser Widerstand mit Blick auf die Trauung Teil eines größeren religiösen und / oder kulturellen Problems im Umgang mit Ihren Überzeugungen. Sie sollten dringend vor der Eheschließung wissen, ob Sie mit weiteren kulturell oder / und religiös bedingten Einschränkungen rechnen müssen.

Mein Partner / meine Partnerin möchte außer der katholischen Trauung auch noch eine Eheschließung unter Einbeziehung eines Imam / Hodscha feiern. Geht das?
Der Imam / Hodscha darf gerne auch an der christlichen Feier teilnehmen und im Rahmen dieser Feier ein Gebet sprechen, eine angemessene Ansprache halten oder einen Segen geben.

Eine weitere, zusätzliche religiöse Feier der Trauung im Ritus einer anderen Religion ist nicht möglich (can. 1127 § 3, CIC). Es ist aber durchaus sinnvoll, vor einem Imam / Hodscha einen zivilen Ehevertrag, der vor allem die Rechte der Ehefrau (zum Beispiel Berufstätigkeit, Besuchsrecht bei den Eltern) beschreibt, abzuschließen, wenn dieser nicht den wesentlichen Bedingungen einer katholischen Ehe (vor allem der Einehe) widerspricht.

Beispieltexte:

Wenn der Bräutigam katholisch ist:
Zelebrant: Bist du bereit, die Kinder anzunehmen, die Gott euch schenken will, und sie im Geiste Christi und seiner Kirche zu erziehen?

Wenn der Bräutigam nicht getauft ist:
Zelebrant: Bist du bereit, die Kinder anzunehmen, die Gott euch anvertrauen will, und sie im Glauben an ihn zu erziehen, wie es Pflicht eines gläubigen Vaters ist?
(aus: Die Feier der Trauung, Trier 1992, Trauung eines Katholiken mit einem Nichtgetauften, der an Gott glaubt. S. 84)

Wenn der Bräutigam nicht an Gott glaubt:
Zelebrant: Bist du bereit, Kindern das Leben zu schenken und in väterlicher Verantwortung für sie zu sorgen?
(aus: Die Feier der Trauung, Trier 1992, Trauung eines Katholiken mit einem Partner, der nicht an Gott glaubt. S. 102)
Mein Partner / meine Partnerin möchte

Handreichung

Katholisch-islamische Ehen
Wenn Sie sich weiter informieren möchten, empfehlen wir eine Handreichung aus dem Erzbistum Köln. Die Handreichung "Katholisch-islamische Ehen" will künftigen
katholisch-islamischen Eheleuten helfen, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede im katholischen und islamischen Eheverständnis und Eherecht kennen zu lernen,
um Entscheidungsgrundlagen zu gewinnen und zwischen Handlungsmöglichkeiten wählen zu können.

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Bischöfliches Generalvikariat Münster
Hauptabteilung Seelsorge
Fachstelle Christen und Muslime
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Telefon 0251 495-6069
E-Mail: laudage-kleeberg@bistum-muenster.de
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